Allgemein

J.C.C. Bruns will die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf erleichtern.

Manchmal ist es ein schleichender Prozess, manchmal geht es ganz schnell: Wenn ein nahestehender Mensch pflegebedürftig wird, stellt das ihn oder sie aber auch die Angehörigen vor eine ganz neue Situation. Sind Letztere berufstätig, kann es kräftezehrend sein, Pflege und Job unter einen Hut zu bringen. J.C.C. Bruns will helfen, diese Vereinbarkeit zu erleichtern. Deswegen gibt es mit Melanie Dierks, Gunda Schünemann, Jörg Wehling und Michaela Meier vier sogenannte Pflegeguides im Unternehmen. Sie sind Ansprechpartner für alle Mitarbeitenden, die sich mit dem Thema beschäftigen.

 

Pflege in Zahlen

  • Rund 16.500 Menschen im Mühlenkreis sind pflegebedürftig.
  • 79 Prozent dieser Pflegebedürftigen werden von zu Hause aus versorgt.
  • In diesem Rahmen kann man davon ausgehen, dass im Kreis Minden-Lübbecke zumindest 26.000 Menschen mit häuslicher Pflege zu tun haben.
  • Etwa 14.000 davon sind gleichzeitig berufstätig.
  • Durchschnittlich wendet ein pflegender Angehöriger 36 Stunden im weiteren Sinne für Pflege und Betreuung auf.
  • Die durchschnittliche Pflegedauer liegt bei acht Jahren.
  • Zwei Drittel der Pflegenden sind Frauen, in der Regel im Alter zwischen 45 und 60 Jahren.

Quelle: Kreis Minden- Lübbecke

 

Die Gründe

Ein Sturz, eine Krankheit oder voranschreitendes Alter: Die Gründe für Pflegebedürftigkeit sind vielfältig. Die meisten Betroffenen möchten in diesem Fall von zu Hause aus versorgt werden. Teilweise wird die Pflege von den Angehörigen alleine geleistet, teilweise unterstützt ein ambulanter Pflegedienst. Seit Jahren steigt die Zahl pflegender Angehöriger und damit auch die Zahl derer, die gleichzeitig arbeiten. Waren es 1997 noch 40 Prozent, sind es heute bereits 54 Prozent, die diese Doppelbelastung leisten. „Und das stellt die meisten von ihnen vor enorme Herausforderungen“, weiß Andrea Strulik, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Minden-Lübbecke. „Sie wollen der Anforderung der Arbeitswelt ebenso gerecht werden wie dem nicht immer vorhersehbaren Hilfebedarf des Angehörigen.“ Gemeinsam mit ihrem Kollegen Klaus Marschall, Koordinator für Behinderten- und Seniorenbelange, bildet sie Pflegeguides innerhalb der Initiative „Pflege und Beruf“ fort.

 

Trotz der steigenden Zahlen ist das Thema für viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen noch immer tabuisiert. Sie fürchten um ihre Karrierechancen oder ihre Anstellung. „Dabei ist Kommunikation das Wichtigste“, sagt Klaus Marschall. Eine Pflegesituation hat beinahe immer Auswirkungen auf beruflicher Ebene. Arzttermine, die während der Arbeitszeit eingehalten werden müssen, Mahlzeiten, die zubereitet oder gereicht werden müssen, regelmäßige pflegerische Handlungen, die keinen Aufschub dulden – die Liste ist lang. Diese Zerrissenheit zwischen Privatem und Beruflichem kann auf Dauer Folgen haben, wie geringere Leistungsstärke, häufigere Krankheitsausfälle oder Konzentrationsschwäche.

 

Denn je länger die Pflegesituation anhält, desto mehr steigen die psychischen und physischen Belastungen. Es sei daher absolut sinnvoll, den Vorgesetzten oder Arbeitgebern die Situation zu erklären. Schließlich ist es auch im Interesse der Firmen, qualifizierte Mitarbeitende langfristig zu beschäftigen. „Daher ist es wichtig, dass es Ansprechpartner im Unternehmengibt, die ein offenes Ohr haben und über bestehende Angebote und innerbetriebliche Maßnahmen informieren können“, findet Pflegeguide Melanie Dierks.

 

Die Aufgaben

Aufgabe der Pflegeguides ist es, bestehende Hilfsangebote in der Region aufzuzeigen, über innerbetriebliche Möglichkeiten zu informieren und ein Gesprächsangebot zu bieten. „Viele Pflegende wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben, sich Unterstützung zu holen“, ist sich Jörg Wehling sicher. „An dieser Stelle möchten wir helfen.“ So gibt es Zentren für Pflegeberatung, Angebote und Fortbildungen für Pflegende. Es gibt gesetzliche Regelungen, die unterstützen sollen, wie die kurzzeitige Arbeitsverhinderung, Pflegezeit, Familienpflegezeit und sonstige Freistellungen. Wer sich unvermittelt in einer Pflegesituation wiederfindet, weiß jedoch oftmals nichts von diesen Möglichkeiten. So ging es vor einigen Jahren auch Pflegeguide Gunda Schünemann. Ihr Vater wurde damals durch eine OP kurzfristig pflegebedürftig. „Man fühlt sich wie der Ochs vorm Berge“, erinnert sie sich. „Ich hatte keine Ahnung, an wen ich mich wenden kann, woher ich Hilfe bekommen kann.“

 

Das Angebot

Diese Lücke wollen die Pflegeguides schließen. Auch Verleger Sven Thomas unterstützt das Vorhaben ausdrücklich. „Wir sind ein familienfreundliches Unternehmen. Das bedeutet auch, dass wir die Belange Einzelner ernst nehmen, zusammenrücken und uns kümmern.“ Ihm ist sehr daran gelegen, pragmatische Lösungen zu finden, wie beispielsweise eine flexible Arbeitszeitregelung. Daher werden die Pflegeguides in den kommenden Monaten und in Absprache mit Sven Thomas organisatorische und unterstützende Maßnahmen entwerfen, die betroffene Mitarbeitende direkt entlasten können. Nach den Sommerferien soll es zudem gemeinsam mit den entsprechenden Ansprechpartnern des Kreises Minden-Lübbecke eine Infoveranstaltung für alle Mitarbeitenden des Verlagshauses geben.