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Veranstaltungsreihe „Mindener Mediengespräche“ erfolgreich gestartet

Passend zum Internationalen Tag der Pressefreiheit am 3. Mai starteten die „Mindener Mediengespräche“. Als Beitrag zur Medienkompetenzförderung holen Mindener Tageblatt und Volkshochschule vier Mal im Jahr Persönlichkeiten aus dem Journalismus zum öffentlichen Gespräch in die Stadt.

 

Matthias Kalle, Medien-Ombudsmann des Mindener Tageblatts, zitierte zu Beginn des ersten „Mindener Mediengesprächs“ im Kleinen Theater am Weingarten den Schriftsteller George Saunders. Der hatte eine Reportage mit dem Satz begonnen „Donald Trump trägt eine rote Mützeoder auch nicht.“ Auf diese Weise zeige der Text, dass sich auch ein Reporter seiner Wahrnehmung nicht immer sicher sein dürfe. Das aber passiere im Journalismus zwar zunehmend, aber noch zu selten, ist Kalle überzeugt. Wirklichkeit abzubilden, die ja ohnehin jeder anderswahrnehme,sei „gar nicht so leicht“. Deshalb sollte es aus Sicht des früheren Zeit- Journalisten dazugehören, die Grenzen dessen, was Journalismus kann, transparent zu benennen.

 

Damit war ein handfester Konflikt beschrieben,derdieZuhörer zum Mitwirken und Mitdenken einlud. Und es brachten sich auf Einladung von Volkshochschule und Mindener Tageblatt dann auch tatsächlich viele der rund 60 Besucher ein. Einer merkte an, dass es so etwas wie Neutralität ja ohnehin nicht geben könne. Jemand anderes warf später ein, dass es aber schon wichtig sei, einen nüchternen Informationsstand und nicht nur die Weltsicht des Schreibenden geliefert zu bekommen.

 

Dieses Konfliktfeld kennt MTLokalleiter Henning Wandel aus seiner täglichen Arbeit gut. Das drücke sich auch dadurch aus, dass Leser versuchen, auf Basis von Texten die politische Präferenz des Autors zu ergründen. „Ich soll quasi schon in jeder Partei gewesen sein“, berichtete Wandel mit einem Augenzwinkern. Tatsächlich sei er natürlich in keiner, denn das würde sich mit dem überparteilichen Anspruch nicht decken. Er wolle und dürfe keine eigene Agenda haben. Das zeigte: Einerseits bemühen sich Journalisten vielleicht nicht immer ausreichend um eine möglichst nüchterne Beschreibung. Andererseits lesen Menschen in Texte aber auch Dinge hinein, die dort gar nicht stehen.

 

Es waren Spannungsfelder wie diese, um die die Auftaktveranstaltung der „Mindener Mediengespräche“ kreiste. Drei weitere werden in diesem Jahr noch folgen (siehe Infokasten). VHS-Direktor Marco Düsterwald und MT-Chefredakteur Benjamin Piel entwickelten das Format, um einen Beitrag zur Medienkompetenzförderung zu leisten. Sinkende Medienkompetenz, erläutert Piel, sei etwas, dass ihm Bauchschmerzen bereite. „Denn wir alle sind zu Journalisten geworden, aber wir verhalten uns nicht wie welche. Soll heißen: Fast alle Menschen veröffentlichen den ganzen Tag Inhalte, Thesen, Behauptungen. Aber oft wird nicht ausreichend geprüft, was man da so alles bei Whats- App, Facebook und Twitter weiterleitet und teilt.“ Desinforma- Besucher brachten sich in die Diskussion ein. Diskutierten gemeinsam und mit dem Publikum im Kleinen Theater am Weingarten: MT-Lokalleiter Henning Wandel (von links), MT-Ombudsmann Matthias Kalle und VHS-Direktor Marco Düsterwald. MT-Foto: Alex Lehn VERANSTALTUNG 7 tionen, führt der MT-Chefredakteur weiter aus, hätten so ein leichtes Spiel. Dieses Problem könne man zwar nicht von Minden aus lösen, jedoch einen Beitrag dazu leisten.

 

VHS-Direktor Marco Düsterwald hebt die wichtige Rolle der Volkshochschulen bei der Förderung von Medienkompetenz hervor. Er verstehe sie als Orte des Lernens, des Austausches, des Diskurses und der Demokratie – ideal also, um im gegenseitigen Miteinander auch kontroverseThemenanzugehenund Erkenntnisse zu gewinnen. Düsterwald unterstreicht zudem die Vielschichtigkeit des Schlagwortes „Medienkompetenz“. „Dahinter verbergen sich die Kategorien: Medienkritik, Medienkunde, MediennutzungundMediengestaltung“, erläutert er. „Die Mediennutzung ist breit angelegt. Nahezu jede und jeder nutzt Medien zur Information und Unterhaltung. Wenn es aber darum geht, Medienkunde zu zeigen, etwa durch die Überprüfung von Quellen, wird es deutlich schwieriger. Bei der wachsenden Flut an Informationen braucht es ein erhöhtes Maß an Kompetenz, diese einordnen zu können. Hier sehe ich noch viel aufklärende Arbeit vor uns: Von den Schulen über die VHS bis hin zur Tageszeitung.“

 

Benjamin Piel sieht es als besondere Herausforderung,Menschen für das Thema Medienkompetenz zu begeistern. „Das klingt nach viel Theorie und nach etwas, das mit dem eigenen Leben nicht viel zu tun hat“, sagte er. „In Wirklichkeit ist es allerdingsganzanders. Dennwenn wir nicht sehr genau prüfen, welche Inhalte wir weiterverbreiten, machen wir uns zu Mittätern von Despoten und anderen Menschen, die schlechte Absichten haben.DasThemahat also sehr viel mit uns und unserer Verantwortung zu tun“, unterstreicht der MT-Chefredakteur. Um einen weniger theoretischen, sondernpersönlichenZugang zur Medienkompetenz zu eröffnen, wählen die „Mindener Mediengespräche“ den Weg über bekannte Gesichter und spannende Persönlichkeiten. „Auf diese Weise“, erläutert Piel, „können wir am besten vermitteln, wie Journalisten arbeiten, vor allem aber – so wie bei der Auftaktveranstaltung am 3. Mai – Öffentlichkeit und Journalismus miteinander ins Gespräch bringen.“