
Die Bielefelder „Westfalen-Blatt“-Gruppe erhält mit der neu gegründeten „Westfälische Medien Holding AG“ einen neuen Besitzer. In der Holding wollen „Westfalen-Blatt“ und die Münstersche Aschendorff-Gruppe ihre Medienaktivitäten zusammenführen. Repro: MT
Im Zeitungsmarkt Ostwestfalen-Lippe verschieben sich erneut die Gewichte. Gestern teilten die Bielefelder „Westfalen-Blatt“-Gruppe und das in Münster beheimatete Verlagsunternehmen Aschendorff (u.a. „Westfälische Nachrichten“, „Münstersche Zeitung“) mit, ihre Medienaktivitäten im Wege einer Fusion unter dem Dach einer „Westfälische Medien Holding AG“ zusammenführen zu wollen.
Aschendorff ist bereits seit 2010 über die damalige Busse-Holding der ursprünglichen Gründerfamilie mit 24,9 Prozent indirekt an den Westfalen-Blatt-Unternehmungen beteiligt und hatte bereits 2012 dem Bundeskartellamt seine Absicht bekannt gegeben, daran in zwei Schritten die Mehrheit erwerben zu wollen. Dies war genehmigt worden, der nun mitgeteilte Schritt steht laut Mitteilung jedoch ebenfalls noch unter Zustimmungsvorbehalt des Kartellamts. Wer in der neuen Holding in welchem Umfang Anteile hält, wurde nicht mitgeteilt.
(Update 5.1.2019 : Nach eigenen Aschendorff-Angaben umfasst die Beteiligung der Münsteraner 76,5 Prozent der Gesellschaftsanteile. 20,09 Prozent hält danach die Busse-Holding, die restlichen 3,41 Prozent liegen bei der Verlagsgruppe Ippen. Diese war bereits vor dem Aschendorff-Einstieg in die Busse-Holding mit 14,5 Prozent der dortigen Anteile Minderheits-Gesellschafter der von dieser gehaltenen Unternehmensgruppe Westfalen-Blatt.)

Die ursprünglich einmal mit Ausgaben unterschiedlicher Titelbezeichnung in ganz Ostwestfalen-Lippe verbreitete Regionalzeitung „Westfalen-Blatt“ (u.a. auch „Westfälisches Volksblatt“, „Herforder Kreisblatt“, „Lübbecker Kreiszeitung“) erscheint derzeit laut ihren Mediadaten noch in insgesamt 23 Lokal-Ausgaben in der Stadt Bielefeld sowie in den Kreisen Gütersloh, Herford, Paderborn, Höxter und Minden-Lübbecke; der überregionale Teil wird von einer eigenen Zentralredaktion in Bielefeld erstellt. Die verkaufte Auflage lag im dritten Quartal 2018 laut IVW bei 105.788 Exemplaren. Im Kreis Minden-Lübbecke erscheinen die Ausgaben Bad Oeynhausen/Löhne (2.540) und Altkreis Lübbecke (7.373), hier erscheinen jeweils auch Ausgaben des Bielefelder Wettbewerbers „Neue Westfälische (12.590/8.932). Aus dem MT-Verbreitungsgebiet hatte sich das Westfalen-Blatt im Jahr 2004 zurückgezogen, ebenso aus dem Kreis Detmold.

Die aus dem bereits seit 1720 bestehenden Münsterander Familienunternehmen hervorgegangene Aschendorff-Gruppe ist wie viele klassische Regionalzeitungsverlage heute in zahlreichen Mediengeschäftsfeldern aktiv, überwiegend im angestammten Verbreitungsgebiet. Zum Hauptprodukt „Westfälische Nachrichten“ (Tageszeitung und dazugehörige Digitalangebote) kam 2014 durch Übernahme der bisherige Konkurrent „Münstersche Zeitung“, der seither mit dem Lokalteil der WN erscheint. Beide zusammen kamen im II. Quartal 2018 laut IVW auf eine verkaufte Auflage von 106.468 Exemplaren. Der überregionale Teil (Mantel) der „Westfälischen Nachrichten“ wird außerdem in zahlreichen in der ZENO-Gruppe zusammengeschlossenen selbstständigen Lokalzeitungen rund um das WN-Verbreitungsgebiet genutzt und kommt so auf eine Auflage von rund 202.000 Exemplaren. Die Verbreitungsgebiete der nun fusionierenden Verlage sind unmittelbar benachbart, Überschneidungen gab es bislang so gut wie nicht.
Von Christoph Pepper
Siehe auch: „Wechselt Bielefelder Westfalen-Blatt“ den Besitzer“ (4.1.2012)






