Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist eine Defizitveranstaltung, also eine von der öffentlichen Hand getragene. Auch die Verkehrsträger, die hierzulande den ÖPNV veranstalten und von Kreis und Kommunen gegen Bezahlung übernommen haben, sind Firmen mit öffentlichen „Eltern“. Ob MKB, VMR oder BVO.
Aber wer daraus schließt, da säßen Leute, die sich so verhalten wie das unausrottbare Vorurteil Beamte & Co im öffentlichen Dienst abqualifiziert, der irrt. Hier sitzen Leute mit Ideen an den entscheidenden Stellen.
Sie machen sich zum Beispiel Gedanken, wie man den ÖPNV attraktiver machen könnte, zum Beispiel für junge Leute, die gern in die Disco gehen und gern Auto fahren. Und so erfanden sie den Nachtbus.
Ich meide diese Nightbus-Linie, weil ich solche (sicher) überfüllten Busse nicht mag und lieber zu normalen Tageszeiten einsteige, wo man sich den Platz unter vielen freien aussuchen kann.
Bei einer solchen Fahrt bin ich auf die jüngste Marketingidee der ÖPNV-Vordenker gestoßen. Eine neue Linie, ideal für Leute wie mich (davon gibt es `ne Menge und es werden immer mehr). Die Linie führt vom ZOB Minden zur Karlstraße, dann weiter zur Werftstraße und von dort nach Bielefeld. Jeweils 20 Minuten Aufenthalt und keine weiteren Haltestellen. Sie verkehrt auch nur werktags bis 15 Uhr.
Wer diese Linie benutzen soll? Das fragen Sie noch? Vergessliche (wie ich). Wer nämlich im Bus etwas liegen lässt und glaubt, das würde, wenn nicht von anderen Busnutzern „weggefunden“, am ZOB in dem Informations- und Service- raum ein paar Tage aufbewahrt für eventuelle Nachfragen, der irrt.
„Da müssen Sie zum Betriebshof des Unternehmens fahren, in dessen Bus Sie das liegen gelassen haben“, bekommt man auf Nachfrage zur Antwort. Und auf eine erstaunt fragendes Augenaufreißen folgt die Begründung: „Wir haben hier keinen Platz.“ Aha, als sind so Kleinteile wie meine Handschuhe die Ausnahme, hier werden liegen gelassene Fernsehkartons, Kinderwagen, Rollatoren und ähnlich sperrige Fundsachen abgegeben. Nachdem sie wahrscheinlich bis zum Schichtende des Busses mehrfach durch ganz Minden und Umgebung gefahren worden sind.
Dass der eigentliche Grund ist, vergessliche Fahrgäste auf die neue Linie vorzubereiten (im Vierpack kostet die Fahrkarte sieben Euro), wusste der Mann an der Information vermutlich nicht. Aber ich bin sicher, die Busse auf der Verlierer-Linie werden rappendicke voll.
In diesem Sinne: Schönes Wochenende
Hartmut Nolte (Lokalredaktion)






