Zum Inhalt springen
JCC Bruns Unternehmensgruppe
JCC Bruns UnternehmensgruppeJCC Bruns Unternehmensgruppe
  • Home
  • Bruns
  • Unternehmensgruppe
  • Karriere
  • Blog
  • Kontakt
  • Home
  • Bruns
  • Unternehmensgruppe
  • Karriere
  • Blog
  • Kontakt

Gekommen, um zu schweigen: Seit 30 Jahren treffen sich die Mitglieder des Meditationskreises im Mindener Dom. Sie haben sich einiges zu sagen – ohne ein Wort (#200in365, No.81)

Nov.272018

Einkehr in Stille: Seit 30 Jahren inspiriert der Mindener die Mitglieder des Meditationskreises bei ihren Treffen und verleiht ihrem Schweigen einen besonderen Klang. MT-Foto: Alex Lehn

Wie sehr es in ihm brüllt, das hört niemand lauter als der Schweigende. Das wissen die Mitglieder des Mindener Meditationskreises nur zu gut. Seit 30 Jahren treffen sie sich in einem Raum des Mindener Doms. Auf dessen Rückseite geht es durch eine unauffällige Tür hinter der eine Treppe nach oben führt. Dort sitzen sieben Teilnehmer auf roten Kissen und warten auf Christoph Andreas Marx. Der Leiter des Kreises betritt den Raum, spricht einen Satz des Mystikers Meister Eckhart („Im ganzen Universum ist Gott nichts ähnlicher als die Stille“), schlägt eine Klangschale und gemeinsam brechen die Meditierenden auf ins Schweigen.

Die ersten Minuten sind für den Unerfahrenen kaum zu ertragen. Die Stille schreit laut wie ein Düsenjet. Die Gedanken stürzen wie ein Wasserfall auf den Sitzenden ein. Wer sich auf seine Atmung konzentriert und nicht gleich hinausgeht aus dem scheinbar Unerträglichen, findet immer tiefer hinein in einen Zustand der Beruhigung. Draußen fahren Autos entlang, heult ein Motor, hört jemand Musik. Drinnen gibt es nichts als die Stille.

Einmal im Monat kommen die Frauen und Männer zusammen. Was wie ein radikaler Rückzug aus der Welt wirkt, will genau das nicht sein. Denn die Gedanken und Gefühle, die den Schweigenden überströmen, sind meistens in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen entstanden, die so mit hineinkommen. Wer schweigt, der bleibt in seinen Gedanken nicht allein. Oder wie Marx es ausdrückt: „Wenn Dinge offen sind, dann wird mir das in den Weg gelegt.“

Nach 20 Minuten, die sich so lang anfühlen können wie ein Tag, schlägt Marx wieder die Klangschale. Die Schweigenden erheben sich, laufen drei Runden durch den Raum, setzen sich wieder, schließen die Augen, schweigen weiter. Die zweite Runde der dreimal 20 Minuten ist für viele die härteste.

Wer Christoph Andreas Marx und seinem Vorgänger Falk Bloech begegnet, der trifft zwei bedächtige Männer. Sie wirkten, als könne sie so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Sie überlegen, bevor sie antworten und wenn sie sprechen, dann mit ruhigen Stimmen. „Ich kann mich auch mal aufregen“, sagt Marx zwar, aber wer über einen längeren Zeitraum meditiere, der könne sich auf etwas verlassen, das über die Aufregung des Moments hinausreiche. Nur eines macht ihn wirklich ungeduldig: dass die Meditation oder Kontemplation innerhalb der Kirchen keine sehr starke Position hat. Und das, obwohl dieses Thema in Klöstern schon seit Jahrhunderten eine große Rolle spielt: „Der Glaube ist manchmal verkopft, das ist etwas schade.“

Nach 20 Minuten schlägt Marx die Klangschale. Die Schweigenden erheben sich, laufen drei Runden im Kreis, setzen sich wieder, schließen die Augen, schweigen.

Die Gruppe ist zwar eine christliche, aber es gibt keine Vorgaben, wer wie zu meditieren hat. „Wir geben keinen Stil vor“, betont Bloech. Auch Marx empfindet sich nicht als Guru und würde „nie einen Weg vorgeben“. Manche konzentrieren sich auf ihre Atmung, andere sprechen innerlich ein Gebet. Doch unabhängig vom Glauben: Die Mystiker, also jene in den Religionen, die das Göttliche erfahrbar machen wollen, „verstehen sich miteinander sehr gut“, sagt Marx. Es seien die Dogmatiker, die sich die Köpfe einschlügen. Sich dem göttlichen Geheimnis zu nähern, das tauge nicht zur Aggression. Was aber bedeutet es, das Göttliche zu erleben, wie fühlt sich das an? Darauf haben die beiden Männer keine Antwort. Außer: „Es ist sehr angemessen, darüber zu schweigen.“ Und: „Man müsste schon ein Dichter sein, um das Unbeschreibliche zu beschreiben.“

Am Ende der dritten Runde schlägt Marx wieder die Klangschale. Die Meditierenden setzen sich im Kreis zusammen und sprechen: „Der Segen dieser Meditation fließe hinaus in die friedlose Welt. Die Teilnehmer spüren, dass es etwas Wichtigeres gibt als Besitz und Konkurrenz, sagen sie. Dann gehen sie die Treppe hinunter und hinaus, zurück in eine lautstarke Welt.

Von Benjamin Piel, Chefredakteur

Kommentarnavigation

ZurückVorheriger Beitrag:Große Freude mit kleinen Dingen – Mindener Tageblatt startet zum 25. Mal die Weihnachtsaktion „Paket mit Herz“NächstesNächster Beitrag:Wiedersehen macht Freude – Konfirmations-Jubiläen aus dem Kirchenkreis Minden

Weitere Nachrichten

„Die Bedeutung des Tourismus wird überschätzt“ – Die Hotelübernachtungen in Minden sind im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit Jahren gerutscht. Hotelier Bernd Niemeier zieht daraus bemerkenswerte Schlüsse (#200in365, No.128)
3. März 2019
Drei Fragen an … Heinz-Joachim Pecher und Thomas Bitter von der Traditionsgemeinschaft „Wir sind stolz auf die Bundeswehr“ (#200in365, No. 127)
2. März 2019
Ein Leben in Bildern – Wolfgang und Ingrid Wrenger aus Möllbergen haben mehr als 2.000 Lichtbildvorträge gehalten. Auch jenseits der 80 wollen sie weitermachen (#200in365, No.126)
28. Februar 2019
„Man hat immer elf Menschen gegen sich“ – Stefan Grabowsky aus Minden hat bisher bei 770 Spielen als Schiedsrichter auf dem Platz gestanden. Einmal musste er einem Spieler erklären, was Abseits ist (#200in365, No.125)
26. Februar 2019
Experiment Herbergsvater – Jonathan Löchelt ist der neue Leiter der Mindener Simeonsherberge. Aber er will mehr sein als jemand, der sich um seine Gäste kümmert (#200in365, No. 124)
25. Februar 2019
Drei Fragen an … Cornelia Köllmann und Andreas Jürgensmeyer „Wir sind eine demokratische Band“ (#200in365, No. 123)
24. Februar 2019
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Erklärung zur Barrierefreiheit
Rechtliches
Go to Top
Cookie-Zustimmung verwalten
Um dir ein optimales Erlebnis zu bieten, verwenden wir Technologien wie Cookies, um Geräteinformationen zu speichern und/oder darauf zuzugreifen. Wenn du diesen Technologien zustimmst, können wir Daten wie das Surfverhalten oder eindeutige IDs auf dieser Website verarbeiten. Wenn du deine Zustimmung nicht erteilst oder zurückziehst, können bestimmte Merkmale und Funktionen beeinträchtigt werden.
Funktional Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt. Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
  • Optionen verwalten
  • Dienste verwalten
  • Verwalten von {vendor_count}-Lieferanten
  • Lese mehr über diese Zwecke
Einstellungen ansehen
  • {title}
  • {title}
  • {title}