Heute beginne ich ausnahmsweise einmal mit einem Witz. Einem über die Ostfriesen. Sie werden schon lesen, warum.
Wie viele Ostfriesen braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?
Fünf. Einer steigt auf einen Tisch und hält die Glühbirne fest, die anderen drehen den Tisch.
Im südlicher gelegenen ostwestfälischen Minden braucht man 19 Personen. Jedenfalls wenn man das Glühbirnenwechseln dem Betriebsausschuss der Städtischen Betriebe Minden überlässt.

Vermutlich sei hier die Glühbirne defekt, antwortet ein Mitarbeiter der Städtischen Betriebe. Und alle übrigen 18 Ausschussmitglieder sowie einige Zuhörer verfolgen interessiert dieses Gespräch. Warum denn die Glühbirne dann noch nicht ausgewechselt sei, hakt der Politiker energisch nach.
Weil es bislang wohl noch keinem aufgefallen beziehungsweise von keinem gemeldet worden sei, dass die Glühbirne defekt ist, so die Antwort. Immer noch wirkt ein großer Teil des Ausschusses interessiert ob dieser Problematik, während ein anderes Gremiumsmitglied eine ganz andere Ampelanlage ins Spiel bringt. Dort gehe es aber nicht um eine defekte Birne, reagiert der SBM-Mitarbeiter ganz sachlich. Man werde sich aber umgehend um das kaputte Leuchtmittel an der Schule kümmern, verspricht der Sachbearbeiter in die große Runde, die das nur noch mehr oder mindern interessiert zur Kenntnis nimmt.
Etwa fünf Minuten Zeit nimmt jene kleine Birne in einem Ausschuss in Anspruch, der in diesem Jahr für die Überwachung von voraussichtlich rund 56 Millionen Euro an Erträgen und knapp 51 Millionen Euro an Aufwendungen mit verantwortlich zeichnet. Dabei hätte die ganze Glühbirnenangelegenheit eigentlich schon lange zuvor mit einem kurzen Telefonat erledigt werden können. Aber das schafft natürlich keine Aufmerksamkeit.
Übrigens habe ich mich verzählt. In Minden sind wahrscheinlich sogar 21 Personen für das Wechseln eines kleinen Leuchtmittels nötig. Neben den 19 Personen im Ausschuss werden wohl noch zwei Mitarbeiter der Städtischen Betriebe in Kürze zu der Ampelanlage fahren und die Birne tauschen.
In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende!
Hans-Jürgen Amtage (Lokalredaktion)






