Autofahrer sind extrovertierte Menschen, sie teilen der Umwelt gern persönliche Details mit, am liebsten den Wohnort und das Geburtsdatum. Wie? Über ihr Nummernschild.
Deshalb auch die Debatte um die Wiederzulassung von längst ausgestorbenen Kennzeichen. Das hat mit Heimatliebe und Regionalidentität nichts zu tun, eher mit „Hier wohn ich, hier ras ich“.
MI reicht da nicht, das haben zu viele am Auto und ein echter Hiller hat doch mit „denen in Minden“ nichts zu tun. HIL wäre da schon besser. Okay, RTU für Rothenuffeln ging vielleicht zu weit.
Mit RTU lässt sich auch nichts anfangen, um einen weiteren Aspekt der Lokalisierung per Kennzeichen Lokalisierung zu nennen. Aber was kann man aus HIL machen: HIL-FE zum Beispiel, oder HIL-DE. Und Hildes Mann Peter zieht des Kennzeichens wegen nach PET-ERshagen. Auszuschließen ist gar nichts. Vlothoer übrigens brauchen kein VLO, die Haben ja schon HF, Hansestadt Flotho.
Tut mir leid nur für die Portaner. Mit PW lässt sich gar nichts kombinieren und den PO vorn möchten sie ja sicher auch nicht haben, oder?

Das Mitteilungsbedürfnis persönlicher Daten via Autokennzeichen ist aber auch ohne ausgedehnten Regionaleffekt stark. Ein MI-BB 1609, lässt zwar nicht unbedingt auf Boris Becker oder Brigitte Bardot schließen, aber dass BB die Initialen des Fahrzeugbesitzers sind, ist ziemlich sicher und dass er am 16. September Geburtstag hat, auch.
Ja, sogar ganze Ehepaare passen auf ein Nummerschild. MI-RJ 5653 habe ich neulich gesehen und wie Nick Knatterton kombiniert: Sie heißt Ruth oder Rosemarie, er Jürgen oder Joachim, sie ist drei Jahre jünger als er. Und als ich die Fahrerin sah, kamen Zweifel: Sie sieht aber jünger aus. Achtung, meine Damen, Gefahr: Das kann auch umgekehrt gedeutet werden!
Ich beteilige mich gern an dem Kombinationsspiel, es verkürzt auf langen Autobahnreisen die Zeit und regt die Konversation an, weil man beim Überholen diskutieren kann, ob die Schild-Angaben zum Fahrer passen. Ich selber halte mich raus, mein Autokennzeichen kommt aus dem Zufallsgenerator (siehe oben).
In diesem Sinne: ein schönes Wochenende!
Hartmut Nolte, Lokalredaktion






