Erinnern Sie sich noch? Es war vor zwei, drei Jahren, dass in Mindener Politgremien eine Bewerbung um eine Landesgartenschau (Laga) diskutiert wurde. So ab 2017. Denn gut Ding braucht Weile – und in Minden besonders lange Weile. Sogar eine Machbarkeitsstudie für 50.000 Euro war im Gespräch. Schließlich zeigte die Laga in Bad Essen vor zwei Jahren, dass 500.000 Besucher 15 bis 20 Millionen Kaufkraft in die Stadt tragen.
Dann ist das Ganze im Orbit verschwunden. Doch andere haben heimlich den Gedanken weitergesponnen, haben Fakten wachsen lassen und wenn sie weiter in Ruhe untätig sein dürfen, wird die Stadt nicht mehr um eine Bewerbung herumkommen – notfalls mit Bürgerbegehren dazu gezwungen werden müssen.
Wer jetzt glaubt, hier werde mal wieder Stadtpolitisches aufgespießt, der irrt. Das kommt mir nicht mehr in den Sinn. Hier ist jemand anderes zu loben. Der Betrieb Straßen NRW. Der hat nämlich vor gefühlten zwei Jahren an einer Einfallstraße nach Minden den Samen für eine Laga Minden gelegt, oder besser: Von der Natur legen lassen.
An der Bastaubrücke am Klausenwall/Johansenstraße (MT-Foto: M. Otto) ist durch schon lange stehende Baustellen-Absperrelemente hindurch zu bewundern, wie sich zarte Pflänzchen ungestört entwickeln. Löwenzahn, Huflattich und andere seltene Arten zeigen, wie man sich in schmalsten Ritzen breitmacht.
Dank gehört der Landesbehörde dafür, dass sie nicht das Grün in der Stadt mechanisch oder chemisch beseitigt hat, sondern entgegen ihrem Image der Natur Raum gibt. Und das wahrscheinlich noch Jahre, denn die verkehrssichernde Sanierung des brüchigen Brückengeländers – das war der Grund für die Absperrung – dürfte noch Jahre dauern. Bis zur Laga.
Aber auch die Stadt ist zu loben, dass sie dies nicht als ungepflegte Schmuddelecke sieht, sondern stillschweigend dem Gedeihen der Wildkräuter – Ignoranten sprechen von Unkraut – zugesehen hat. Jetzt aber wäre sie gefordert, kleine Schilder aufzustellen, auf denen die Pflanzen erklärt werden.
Wenn es dort so weiter wächst, gibt es Führungen zum „grünen Fleck am Herzen der Stadt“, der Weserradweg könnte einen Schlenker bekommen, usw. Und dann muss die Landesgarten nach Minden. Grandios.
In diesem Sinne: ein schönes Wochenende!
Hartmut Nolte, Lokalredaktion






