Wenn die Nächte länger werden, beginnt für Birgit Humbke eine Zeit, in der sie besonders aufpassen muss. Die 44-Jährige ist MT-Zeitungszustellerin und sechsmal die Woche ab 4 Uhr morgens in ihrem Bezirk unterwegs.

Zustellerin Birgigt Humbke trägt seit 2006 das Midnener tageblatt in Südhemmern naus - wie zuvor schon ihre Mutter und Großmutter. Foto: Alexander Lehn
Ihr Bezirk liegt in Südhemmern und umfasst die Straßen In der Riehe, Im Dorf, Soltfeld und Teile der Fischerstadt. Rund 120 Exemplare des Mindener Tageblatts bringt Birgit Humbke in den frühen Morgenstunden zu den Lesern und Leserinnen – mit dem Fahrrad. Auch Werbung und Briefsendungen der verlagseigenen Post verteilt sie.
„Der Auslieferungsfahrer kommt gegen 3 Uhr, danach sortiere ich die Briefe, dann geht es los.“ Aber nicht, bevor sie sich wetterfest angezogen hat. „Ich trage Schichten wie eine Zwiebel. Anfangs, wenn ich starte, friere ich oft, nach einer Viertelstunde habe ich mich warm gestrampelt, und wenn ich wieder nach Hause komme, schwitze ich.“
Zu ihrer Ausrüstung gehören aber nicht nur eine regendichte Jacke und bei Bedarf Schneehose und Spikes an den Schuhen, sondern auch Warnweste, Taschen- und Stirnlampe sowie Pfefferspray. „Das musste ich bislang glücklicherweise noch nicht benutzen.“
Weder bei Mensch noch Tier, denn natürlich begegnet Birgit Humbke bei ihren morgendlichen Touren durchs Dorf späten Partygästen, angetrunkenen Nachtschwärmern und arbeitenden Frühaufstehern. Und leider auch bissigen Hunden. „Freilaufende Hunde machen mir Angst. Einige reagieren aggressiv, wenn ich auf den Hof komme, und beißen auch mal zu. Diese Erfahrung habe ich schon machen müssen.“
„Laubschichten entfernen“
Die Erklärung so mancher Hundehalter, ihr Vierbeiner tue keinem was, lässt die Zeitungszustellerin nicht gelten. „Ich fordere sie auf, ihre Tiere nachts nicht frei herumlaufen zu lassen. Ist das nicht der Fall, bringe ich das MT erst im Laufe des Vormittags mit dem Auto vorbei.“ Klasse fände es Birgit Humbke auch, wenn die Zugänge zu den Briefkästen frei von dicken Laubschichten wären. „Jetzt im Herbst ist es häufig nass und rutschig. Das ist echt gefährlich.“
Gleiches gilt für Eis und Schnee auf Straßen, Bürgersteigen, Hofeinfahrten und Treppen. „Natürlich kann ich von niemandem verlangen, nachts um vier Uhr seiner Räumpflicht nachzukommen, wenn es geschneit hat. Doch wenn tagelang überhaupt nichts passiert, ist die Situation kritisch und nicht mehr hinnehmbar.“ Die Verletzungsgefahr sei dann sehr hoch.
Hätte sie noch einen Wunsch frei, dann würde sich Birgit Humbke mehr Licht wünschen. Die Straßenlaternen an Gemeindestraßen werden nachts aus Kostengründen ausgeschaltet, manche Hauseigentümer verzichten auf Bewegungsmelder. Unzureichend gesicherte Baustellen und Äste, die bei Sturm auf die Straße stürzen, sind weitere Gefahrenpunkte für die MT-Zustellerin. „Stoße ich mal auf ein Schlagloch, dann melde ich es der Gemeinde. Dort reagiert man sofort und verfüllt es.“
„Angst blende ich aus“
Schon Birgit Humbkes Mutter und Großmutter trugen das Mindener Tageblatt aus. Sie selbst macht es seit 2006. „Noch immer habe ich mich nicht an das frühe Aufstehen gewöhnt. Besonders in Herbst und Winter fällt es mir schwer, aber dann gehe ich nach der Tour wieder ins warme Bett.“ Auch starker Wind und Regen verderben ihr so manches Mal den Spaß an ihrer Arbeit.
Dagegen mag sie die Frühjahrs- und Sommerzeit, wenn es früh hell wird. „Es ist himmlisch ruhig, nur die Vögel zwitschern. Wenn ich dann nach Hause komme, bleibe ich gleich auf.“ Dafür gönne sie sich einen Mittagsschlaf.
Angst lässt Birgit Humbke nicht zu, wenn sie durch die verlassenen Straßen radelt. „Das blende ich aus, sonst könnte ich diesen Job nicht machen.“
Autorin: Gisela Burmester, Lokalredaktion







