Mediendesignerin Natnicha „Grace“ Stuke war bereits an vielen Orten auf dem Globus zuhause
Manch einer träumt von einer weiten Reise in ferne, exotische Länder – vor allen Dingen, wenn in Ostwestfalen wieder das kühlere Herbstwetter Einzug hält. Andere wiederum haben diese fernen Länder nicht nur bereist, sondern haben sogar dort gelebt – und sich am Ende doch bewusst für ein Leben im kühlen Mühlenkreis entschieden. BRUNS_digital-Mitarbeiterin Natnicha „Grace“ Stuke kommt gebürtig aus einem dieser Sehnsuchts-Reiseziele und hat, bis sie hier in der Region heimisch wurde, noch viele weitere Traumdestinationen nicht nur besucht, sondern dauerhaft dort gelebt – und aus den verschiedensten Kulturen viel mitgenommen für ihr weiteres Leben.
Mit den Rotariern nach Kanada
Im Jahr 1990 wurde Grace Stuke in Phitsanulok im nördlichen Thailand geboren – doch bereits vier Jahre später, im Jahr 1993, zog sie gemeinsam mit ihrer Familie nach Brunei, ein Kleinstaat auf der Insel Borneo im südchinesischen Meer. Während ihr Vater dort beruflich zu tun hatte, besuchte Grace den dortigen Kindergarten und wurde anschließend in der Grundschule eingeschult. 1998 geht es für die gesamte Familie zurück in die Heimat nach Thailand – Grace lebte in dieser Zeit das Leben eines ganz normalen, thailändischen Schulmädchens. Bis 2005: Über Kontakte ihres Vaters kam die damals 15-jährige Grace mit dem Rotary Youth Exchange Programm für einen einjährigen Schüleraustausch nach Alberta, Kanada – ein enormer Kontrast zu ihrer warmen Heimat. „Es war furchtbar kalt in Kanada, wir hatten fünf Monate Schnee,“ erinnert sie sich noch heute schmunzelnd zurück.
2007 zog Grace Stuke in ein Internat nach Kochi, Japan. Die strenge, fast schon militärische Erziehung, habe sie geprägt, sagt die Mediendesignerin. Fotos: privat
Disziplin und ein eng getakteter Tagesablauf
Nach einem Jahr in der ungewohnten kanadischen Kälte ging es für Grace wieder zurück ins heimische Thailand, doch auch nur temporär. Bereits ein Jahr später sollte ein weitaus größeres Abenteuer auf die 17-jährige Grace warten: 2007 packte sie erneut ihre Koffer und zog in ein Internat nach Kochi, Japan. Hier sollte sie ihre letzten drei Schuljahre der Oberstufe absolvieren – und das unter einem strengen Regiment. „Es war wie beim Militär – sehr streng und mit einem eng getakteten Tag, jeden Tag“, erinnert sich Grace zurück. Was jedoch erst mal hart klingen mag, hat ihr einiges für ihren weiteren Lebensweg mitgegeben. „In Japan habe ich die Disziplin, aber auch den Respekt und die Toleranz gegenüber anderen Menschen sehr schätzen gelernt“, konstatiert Grace heute.
Sehnsuchtsort Australien: Das Wetter, die Strände und die entspannten Menschen (und Tiere) hatten es Grace Stuke angetan.
Mit dem Schulabschluss in der Tasche nach „Down Under“
Mit ihrem Schulabschluss in der Tasche hielt Grace es jedoch nicht mehr lange in Japan aus, denn es wartete bereits die nächste, sehr sonnige Destination auf sie: Zum Studium zog es sie ins ferne Australien: „Das habe ich mir so sehr gewünscht – der Strand, das warme, schöne Wetter und die entspannten Menschen“, berichtet Grace heute. Von 2011 bis 2014 studierte sie an der University of New South Wales in Sydney unter der australischen Sonne und machte in dieser Zeit ihren Bachelor in Digital Media mit dem Hauptfach Animation. Zeitgleich arbeitete sie ebenfalls als freiberufliche Fotografin in Sydney und konnte so erste berufliche Erfahrungen sammeln. Nach Abschluss des Studiums hieß es dann wieder „Bye Sydney, hello Thailand“. Rund zwei Jahre hielt es sie dort, in dieser Zeit arbeitete sie als freiberufliche Mediendesignerin. Und etwas ganz Besonderes ist in dieser Zeit passiert: Sie lernte ihren zukünftigen Ehemann kennen. Eben dieser kommt ursprünglich aus dem von Thailand so fernen Porta Westfalica und absolvierte ein Auslandssemester in Thailand – und sollte neben neuen Erkenntnissen auch die große Liebe dort finden. Nach dem Austausch ging es für ihn zurück nach Deutschland, und auch Grace packte erneut das Fernweh.
An der University of New South Wales in Sydney machte Grace Stuke 2014 ihren Abschluss.
Zwei Jahre über den Wolken
Grace wollte mehr – mehr von der Welt sehen, neue Erfahrungen sammeln, Geld für die Zukunft ansparen und eben so häufig wie möglich ihren Freund sehen. Da kam ihr der Vorschlag einer Freundin ganz recht: Diese wollte sich bei der Fluggesellschaft Emirates mit Sitz in Dubai als Flugbegleiterin bewerben – die Bewerbungsgespräche fanden 2016 in Malaysia statt. Grace fackelte nicht lange und begleitete ihre Freundin dorthin – anschließend hatten beide einen Job als Flugbegleiterin in der Tasche. Es folgte 2016 ein Umzug in den heißen Wüstenstaat Dubai, die Anstellung bei Emirates brachte sie in den folgenden Jahren beruflich in die verschiedensten Länder – und immer wieder auch nach Deutschland zu ihrem Freund. „Der Job war in Ordnung, nur hatte man immer viel zu wenig Schlaf und viel zu wenig Zeit. Und auf Dauer ist es ein einsames Leben“, sagt Grace heute. Zwei Jahre lebte sie mehr über den Wolken als auf dem Boden und sparte sich in dieser Zeit ein gutes finanzielles Polster an. Genug, um nach zwei Jahren dem Wüstenstaat wieder den Rücken zu kehren und einen lang gehegten Traum zu verwirklichen: ein eigenes Café in Thailand zu eröffnen.
Bei Emirates kam Grace viel rum und konnte zudem ein finanzielles Polster anlegen.
Corona bremste Pläne aus
Gesagt, getan: 2018 fiel der Startschuss für Graces eigenes, kleines Café in ihrer Heimatstadt: Dafür scheute sie auch eine extra Ausbildung zur Barista nicht. Spezialisiert auf Eiskaffees und kühle Kaffeespezialitäten lebte Grace hier für einige Jahre ihren Traum. Eine schöne Zeit, auf die sie auch heute noch gerne zurückblickt. Ihr Partner und sie pendelten in dieser Zeit immer zwischen Deutschland und Thailand und nach und nach reifte auch in Grace der Wunsch, ins ferne Deutschland zu ziehen und mit ihrem Freund zusammenzuleben. 2022 fiel dann der Entschluss: Das Café wurde vermietet und Grace machte sich auf die Suche nach beruflichen Perspektiven rund um Porta Westfalica. Hier half wieder das elterliche Netzwerk: Bekannte des Vaters aus Oerlinghausen stellten den Kontakt zu Carsten Lohmann her, der Grace ein dreimonatiges Austauschpraktikum beim Mindener Tageblatt anbot. Funfact: Eigentlich hätte dieses Praktikum bereits zwei Jahre vorher stattfinden sollen und just einen Tag, bevor Grace nach Minden aufbrechen wollte, kam der Corona- Shutdown. Die Folge: keine Ausstellung von Visa von Thailand nach Deutschland und eine Wartezeit von rund zwei Jahren. Von Oktober bis Dezember 2022 war es dann endlich so weit: Grace konnte ihr Praktikum im Bruns Verlag antreten. Eine gute Erfahrung, für beide Seiten. So gut, dass Grace gefragt wurde, ob sie nicht dauerhaft hier arbeiten wolle. Sechs Monate später folgte dann im Sommer 2023 der endgültige Umzug nach Hannover. „Ich mag meinen Job hier sehr, die Work-Life-Balance ist sehr gut. In Asien wäre mein Arbeitsalltag ganz anders, auch die Mentalität ist eine andere. Hier reden die Menschen sehr viel über die Arbeit, auch im Privaten. Daran musste ich mich erst gewöhnen“. Was ihr aber besonders gefällt an ihrem Job: „Hier hat man mehr kreative Freiheit. In Thailand hat der Mediendesigner kein Mitspracherecht – da ist das Wort des Chefs Gesetz. Hier darf man auch mal seinen eigenen Weg gehen, eigene Ideen einbringen und sich mehr entfalten, das gefällt mir gut“.
Hochzeit in dreifacher Ausführung
Ob sie sich ihr Leben vor 20 Jahren so vorgestellt hätte? Darauf antwortet Grace mit einem klaren „Ja“: „Mein Austauschjahr in Kanada war ein Wendepunkt und zeigte mir: Ein Leben außerhalb von Thailand ist möglich und gefällt mir. Ich bin sehr froh, mich für ein solches Leben entschieden zu haben, aber dachte eigentlich, dass ich in Australien landen werde. Dass es am Ende Deutschland wird, habe ich nie gedacht“, lacht Grace im Gespräch mit dem johann! Übrigens: Die Hochzeit von Grace und ihrem Mann fand gleich in dreifacher Ausführung statt, und wie sollte es anders sein: in drei unterschiedlichen Ländern. Die eigentliche Hochzeit fand in Dänemark statt, ebenso wurde in Thailand mit der Familie groß gefeiert, und in Deutschland gab es noch eine klassische Gartenparty. Hier ist sie nun auch endgültig angekommen – in ihrer Freizeit lernt sie sechs Stunden die Woche in einem Deutschkurs, am Wochenende führen Grace und ihr Mann Tierheimhunde aus und treffen sich mit Freunden. „Es ist hier ganz anders als in Thailand – das Wetter, die Menschen und ihre Mentalität und die Arbeitskultur. Doch ich bin sehr glücklich und freue mich auf unseren baldigen Umzug nach Porta Westfalica. Deutschland ist nun meine zweite Heimat geworden“, blickt Grace optimistisch in die Zukunft.










