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„Wir gehen allen Informationen nach“: Nach welchen Grundsätzen wir über den Flüchtlingszustrom berichten

Okt.42015
Notunterkunft für Flüchtlinge im Bürotrakt des ehemaligen Kraftwerks Veltheim. Foto: Rogge

Notunterkunft für Flüchtlinge im Bürotrakt des ehemaligen Kraftwerks Veltheim. Foto: Rogge

Täglich berichtet das MT über den Ansturm der Flüchtlinge auf Europa. Ausmaß, Ursachen und Folgen der Krise werden beschrieben, Leid und Not der Flüchtenden geschildert. Die Skrupellosigkeit von Schleppern, der Hass von Fremdenfeinden, aber auch Auseinandersetzungen unter Flüchtlingsgruppen gehören ebenso zu den Themen wie die kontroversen Diskussionen der Politik und ihre Versuche, nicht die Kontrolle zu verlieren. Das Handeln der Staaten und Behörden, administrative und gesellschaftliche Probleme bei der Bewältigung des Zustroms, aber auch die überwältigende Hilfsbereitschaft der deutschen Zivilgesellschaft sind Gegenstand der Berichterstattung.

Längst sind die Flüchtlinge auch in unseren Städten und Gemeinden angekommen – und damit im Lokalteil. Das stellt uns vor zusätzliche Herausforderungen. Wir kämpfen mit behördlichen Restriktionen bei der Berichterstattung (die wir auch offenlegen), wir planen, diskutieren und hinterfragen unser journalistisches Tun. Im Zuge dessen ist jetzt in der Lokalredaktion – neben organisationspraktischen und planerischen Dokumenten – ein Grundsatzpapier entstanden, an dem wir unsere Arbeit ausrichten wollen. Wir legen es bewusst offen, um auch den Leserinnen und Lesern die Möglichkeit zu geben, unsere Arbeit daran zu messen.

In Zeiten, in denen wir bereits Kündigungen erhalten, weil wir angeblich zu wenig oder zu einseitig über die Folgen der Flüchtlingskrise berichten, uns gar unterstellt wird, dass wir Informationen zurückhalten, halten wir auch das für ein Gebot der Transparenz, der wir uns verpflichtet fühlen. Wir sind Journalisten – und als solche wollen wir auch bei der Berichterstattung über dieses Thema handeln: Wir schreiben auf, was ist.

 

GRUNDSÄTZLICHES

„Das hab’ ich in meinen fünf Jahren bei der BBC in London gelernt: Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein. Nur so schaffst du es, dass die Zuschauer dir vertrauen, dich zu einem Familienmitglied machen, dich jeden Abend einschalten und dir zuhören.“ 
Hanns Joachim Friedrichs: Interview mit dem Spiegel 13/1995, 27. März 1995

Unsere Berichterstattung über Flüchtlinge erfolgt wertfrei. Wir berichten unvoreingenommen und unparteiisch.

  • In unserer Berichterstattung bilden wir Dinge, die geschehen, genau ab, und wir ordnen Entscheidungen, Planungen und Geschehnisse umfassend ein. Dazu verwenden wir alle journalistischen Mittel und Stilformen, die uns auf unseren Kanälen zur Verfügung stehen.
  • Wir dramatisieren und überzeichnen nicht. Journalistische Fairness ist das oberste Gebot. Wie verstehen uns weder als Beschützer der Flüchtlinge noch als Sprachrohr von Behörden oder Parteien. Raum für unsere persönliche Sicht der Dinge geben Stilformen wie z.B. Kommentar oder Reportage.
  • Wir blenden keine Themen aus und gehen auf alle Aspekte des Themas ein. Es gibt keine Tabus. Konflikte unter Flüchtlingen, auch zwischen jenen, die schon länger da sind und jenen auf der Durchreise, gehören dazu, die persönlichen Geschichten der Menschen, die Anstrengungen der Helfer, der boomende Wirtschaftszweig der Hilfsindustrie, Konflikte zwischen Hilfsorganisationen, das Engagement von Helfern und das Willkommen durch die Bürger gehören hierher, ebenso wie Aktivitäten rechter Gruppierungen.
  • Wir gehen allen Informationen nach, die an uns heran getragen werden, auch jenen, die deutlich von Gedankengut beeinflusst sind, das sich gegen die Flüchtlinge richtet. Aber / und wir ordnen in unserer Berichterstattung peinlich genau die Quellen ein, auf die wir uns beziehen. Wir berichten beispielsweise auch über unzufriedene und wütende Bürger, über die Angst vor einer Zunahme an Straftaten und Konflikte in der Nachbarschaft von Asylheimen (wenn es diese denn gibt).
  • Wir setzen alles daran, uns selbst ein Bild zu machen und damit dann auch unseren Lesern und Nutzern ein Bild zu verschaffen. Wir kommen so unserem Auftrag der Kontrolle nach.
  • Wir blicken über die aktuelle Situation hinaus und bemühen uns, die Auswirkungen von Entscheidungen und Ergebnissen auf die Zukunft der Menschen in unserem Verbreitungsgebiet aufzuzeigen.
  • Wir haben ein gemeinsam erstelltes Konzept als Leitfaden für unsere Berichterstattung, mit dessen Hilfe wir aktiv und nicht reaktiv vorgehen.

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