
Seit vielen Jahren beschäftigen sich Schüler der weiterführenden Schulen der Region im Projekt „Zeitungstreff“ mit dem Mindener Tageblatt. Im Schuljahr 2015/16 wird es in dieser Form zunächst ausgesetzt. Foto: MT-Archiv
Das Mindener Tageblatt wird in diesem Jahr das seit langem regelmäßig angebotene Schulprojekt „Zeitungstreff“ in dieser Form zunächst aussetzen. Eine entsprechende Information ist in diesen Tagen den heimischen Schulleitungen zugegangen. Verlag und Redaktion wollen Konzept, Ausgestaltung und Projektpartner nach langjähriger Routine vor dem Hintergrund des aktuellen Medienwandels gründlich überprüfen und gegebenenfalls neu ausrichten.
Um die dafür notwendige Zeit zu gewinnen, wird es für das Schuljahr 2015/2016 kein von der Zeitung inhaltlich und mit eigenem Lehrmaterial unterstütztes eigenes Schulprojekt geben. Schulleitungen und Lehrer, die dennoch mit der Zeitung im Unterricht arbeiten wollen, können sich aber selbstverständlich weiterhin kostenlos Zeitungsexemplare in kompletten Klassensätzen bzw. nach Bedarf in flexiblen Zeiträumen, auch über mehrere Wochen hinweg, in die Schulen liefern lassen; ebenso sind zeitlich begrenzte ePaper-Zugänge erhältlich. Auch stehen Redakteurinnen und Redakteure weiterhin für Klassenbesuche zur Verfügung, nach Absprache mit der Redaktion ist gegebenenfalls außerdem der Abdruck von in eigenen Schulprojekten entstandenen Zeitungsartikeln möglich.
1990 bot das Mindener Tageblatt erstmals ein Schulprojekt für weiterführende Schulen an, zunächst in Kooperation mit dem Aachener „Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren“ (IZOP) als „Zeitung in der Schule“. Schüler der Klassen 8 bis 10 sollten Gelegenheit haben, sich im Rahmen des Lehrplans nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch mit dem Medium Zeitung auseinander zu setzen. Dazu wurde den Lehrern geeignetes Lehrmaterial bis hin zu vorbereiteten Unterrichtsvorschlägen zur Verfügung gestellt. Seit Mitte der 90er Jahre wurde der dann jährlich ausgerichtete „Zeitungstreff“, nun mit dem an der Dortmunder Universität entstandenen „media consulting team“ als wissenschaftlicher und pädagogischer Projektpartner, dann zur Institution. Mehrmals unterstützten Projektsponsorenr wie die Sparkasse, die Volksbanken, aber auch heimischen Firmen wie WEZ, Wago oder Tönsmeier die aufwändigen Projekte finanziell und organisatorisch.
Fast immer beteiligten sich nahezu alle weiterführenden Schulen im Verbreitungsgebiet mit bis zu 40 Klassen an dem regelmäßig von MT-Redaktion und MCT weiterentwickelten Projekt, in das schnell auch multimediale Elemente bis hin zur eigenen Website einbezogen wurden. Mehrere Tausend Schüler haben so in den vergangenen Jahren im Unterricht – und das musste durchaus nicht immer nur der Deutschunterricht sein – Zeitung gelesen, mit Redakteurinnen und Redakteuren gesprochen, das Druckhaus besucht, aber auch selbst Themen entwickelt, recherchiert, Umfragen gemacht und vor allem selbst Artikel geschrieben. Diese wurden vielfach veröffentlicht, teils auf projekbegleitenden aktuellen Zeitungsseiten, teils in nach Projektende erscheinenden zusammenfassenden Sonderteilen.
Gleichwohl kam es zu gewissen Abnutzungs- und Ermüdungserscheinungen bei allen Beteiligten: der stets sehr stark eingespannten Redaktion, aber auch bei Schulen, Lehrern und vor allem der eigentlichen Zielgruppe, den Schülerinnen und Schülern zwischen 13 und 15 Jahren. Parallel fand der rasante Medienwandel der vergangenen Jahre statt, der das Medienverhalten gerade dieser Altersgruppe – aber auch vieler ihrer Eltern – massiv beeinflusste. Was unter anderem zur Folge hatte, dass das Projekt nicht nur für immer mehr Schüler aus einer wachsenden Zahl inzwischen zeitungsferner Haushalte, sondern auch gerade für jüngere Lehrer häufiger schon zum Erstkontakt mit dem Medium wurde.
Ob und wie sich ein Schulprojekt darauf gezielt neu ausrichten kann, soll nun eine intensive Orientierungsphase in Redaktion und Verlag unter Einbeziehung einschlägiger Experten klären. Bis dahin gilt: Redaktion und Verlag stehen für alle externen Anfragen bezüglich einer Unterstützung schulischer Zeitungsprojekte gerne zur Verfügung, ein eigenes wird es frühestens im übernächsten Schuljahr wieder geben.







