Meine Bewunderung in diesen olympischen Tagen und Nächten gehört den dort arbeitenden Sportlern. Nicht den Siegern, sondern denen, die siegen wollten und nun „nur“ dabei waren. Vier Jahre lang für diesen einen Tag, diese paar Sekunden hart trainiert, verzichtet, den inneren Schweinehund immer und immer wieder besiegt – und dann das.
Und meine Bewunderung gehört den Reporterkollegen vom Fernsehen. In wie vielen Variationen sie ihre einzige Frage unmittelbar nach Beendigung des Finales, praktisch noch an der Ziellinie, stellen können, zeugt von großem journalistischem Variationsvermögen. Die Frage: Wie fühlen Sie sich jetzt unmittelbar nach dem Wettkampf?
Genau das ist es doch, was wir am Bildschirm in diesem Moment wissen wollen und müssen. Oder?
Zu bewundern ist aber auch, dass die TV-Reporter sich nicht scheuen, diese Frage in gleicher Blitzesschnelle denen zu stellen, in denen gerade eine Welt zusammengebrochen ist. Die verloren haben, vielleicht statt des (von ihnen selbst) erhofften und (vom Publikum und uns Medien) erwarteten Goldes „nur“ Silber oder Bronze sich umhängen lassen dürfen.
Was Rudi Völler in seinem Frust einmal dem ARD-Dackel Waldi entgegenschleuderte, machte Fechtgold-Verliererin Britta Heidemann viel eleganter: „Und das fragen Sie mich, kaum eine Minute nach Wettkampfende?“, stellte sie dem ZDF-Reporter die Gegenfrage. Und als der schuldbewusst hinterherschob: „Naja, Sie wirken auch nach Niederlagen immer so abgeklärt, wie machen Sie das?“, setzte die Fechterin mit dem verbalen Säbel den Punkt gegen den schlecht Informierten: „Darüber habe ich ein Buch geschrieben, das sollten Sie mal lesen!“ Treffer.
Es kommt noch soweit, dass die Fernsehmacher analog zur Formel I den Schwimmern, Leichtathleten und anderen Sportlern eine Minikamera ans Schienbein binden und so wir Zuschauer vor der Glotze wortwörtlich hautnah beim Wettkampf dabei sind.
Sicher – man frage mal beim Bundesnachrichtendienst – gibt es auch Mikrofone, noch kleiner als die Kameras. Dann könnten die Jungs vom Fernsehen die Sportler schon während, nicht erst nach dem Wettkampf interviewen.
Und zwar alle zehn Meter ein „Wie fühlen Sie sich jetzt? Geht es noch? Sie liegen nach der Hälfte der 100 Meter auf der dritten Position, schwimmt Ihnen die Goldmedaille weg? Waren Ihre Trainingsmethoden falsch?“ Und Bela Rethy erzählt uns und dem Kämpfer im Finish, dass schon 2008 in Peking es auch 18.15 Uhr (Ortszeit) war, als ihm die Goldmedaille verliehen wurde.
In diesem Sinne: ein hautnahes Wochenende!
Hartmut Nolte, Lokalredaktion






