Schokoladiger Genuss
Kein Kindergeburtstag ohne die schokoladig-gehaltvolle Trüffeltorte – sie gehörte für mich (Jahrgang 1961) dazu wie Gäste und Geschenke.
Wann meine Mutter das erste Mal Trüffeltorte kredenzte, ist unerforscht. Wichtig war für sie, dass es schnell ging. „Bei vier Kindern und dem großen Haushalt blieb wenig Zeit, da war Trüffeltorte schnell gemacht.“
Sie ist eine Meisterin des Biskuitbodens, kriegt ihn immer locker-fluffig hin. Der Rest war dann wohl ebenfalls ein Klacks: Creme anrühren, Trüffelhäufchen kaltstellen, Böden bestreichen und Schokoguss obendrauf, Kugeln rollen und in Schokostreuseln wälzen.
Meine Geburtstagsgäste, die Geschwister und ich waren stets begeistert, wenn es an den Kaffeetisch ging. Gott sei Dank war das immer gleich nach der Beschenkung, alle hatten Hunger, und die Kuchen lockten. Blitzschnell saßen alle am Tisch und futterten.
Was war eigentlich das Beste an der Trüffeltorte? Der schokoladige Kuchen mit der cremigen Füllung? Der alles umschließende, knackige Guss? Oder die köstliche Deko, die im Munde zerging? Das waren Fragen, die für uns zu vernachlässigen waren. Hauptsache: Trüffeltorte.
„Die Nachbarskinder schwärmen noch heute davon“, weiß meine Mutter zu berichten. Und weil das so ist, bringe ich Familie Böker am 8. Dezember zur Kaffeezeit eine Trüffeltorte – von mir nach Originalrezept gebacken. Also, Judith, Heidi und Ralf, lasst dann das Mittagessen ausfallen.
Apropos Rezept: Es steht in einem alten Dr.-Oetker-Backbuch, das damals wohl jede Hausfrau zur Hochzeit bekam. Das Buch ist mittlerweile ein wenig zerfleddert und bekleckert, Titelblatt und einige Seiten fehlen und auch die bibliografischen Angaben. Aber das Trüffeltorten-Rezept ist noch unversehrt. In dem von meiner Oma geerbten Buch ist sie sogar mit Foto abgebildet.
Das Rezept haben Ilse Burmester und Tochter Gisela in dem alten Dr.-Oetker-Backbuch gefunden.
Zu Trüffeltorte passt Milch, Kakao, Sprudel, Wasser, Kaffee oder Tee. Aber niemals Hühnersuppe. Dieses Geschmackserlebnis habe ich mir auch mal während meiner Kinderzeit gegönnt.
Es war mein Abendessen einen Tag nach einem Familiengeburtstag: zuerst Trüffeltorte, dann Suppe. Das war so ekelig, dass ich den Geschmack auch heute noch jederzeit abrufen kann.
Alles hat seine Zeit, auch die Trüffeltorte. Sie wurde in den siebziger Jahren durch Mandarinen-Quarktorte abgelöst. Aber das ist wieder ein anderes Thema.
Von Gisela Burmester, Lokalredaktion







