Nicht zwangsläufig komische Stücke spielen / Jede Nische hat ihre eigenen Tücken

Von Konkurrenz keine Spur: Die Mindener Amateurtheaterszene hat viele Gesichter. Hier sind es die von Eberhard Brandhorst (Plattdeutsche Laienbühne Hahlen, zweiter von links), Viola Schneider (Jugendclub des Stadttheaters), Eduard Schynol (Tucholsky-Bühne) und Jürgen Morche (Regisseur), flankiert von den MT-Redakteurinnen Monika Jäger (links, in weiß) und Ulla Koch (rechts). | Foto: Conti
Es war nicht die ganze Vielfalt der Mindener Theaterszene, aber ein guter Teil davon, der sich zum MT-Stadtgespräch mit den Redakteurinnen Ulla Koch und Monika Jäger ein Stelldichein im Fort A gab. Vor der zauberhaften, wild-romantischen Kulisse der Kurt-Tucholsky-Bühne ging es um das, was die Mindener Amateurtheater so bewegt: enge Budgets, Spielorte, Stückauswahl, Nachwuchsarbeit.
Dabei könnten die Voraussetzungen kaum unterschiedlicher sein: Mit dem Hausherrn Eduard Schynol und Andreas Müller von der Freilichtbühne Porta standen zwei lokale Größen auf der Bühne, flankiert von Henning Meincke vom Elterntheater Mumm aus Kutenhausen und Eberhard Brandhorst von der Plattdeutschen Laienbühne Hahlen sowie der Theaterpädagogin Viola Schneider, die seit drei Jahren am Stadttheater für den Jugendclub zuständig ist und dem professionellen Regisseur Jürgen Morche.
Leidenschaft fürs Theater eint Akteure und Zuhörer
Alle eint die Leidenschaft fürs Theater und die feste Überzeugung, dass Theater etwas bewirkt, bewirken muss, bewirken soll – und zwar sowohl bei den Akteuren als auch den Zuschauern.
Davon abgesehen hat jede Nische ihre eigenen Tücken: Beim Elterntheater Mumm, das aus einer Theaterproduktion für die Grundschüler in Kutenhausen hervorgegangen ist, aber längst Erwachsenen-Stücke spielt, ist es der Kampf mit dem Akkuschrauber, wenn dann endlich einmal mit Kulisse geprobt werden kann – was mangels eigener Spielstätte oft erst am Ende einer Produktion der Fall ist. „Wir hätten ja auch gern mal ein Auf- und Abbau-Team“, merkt Meincke an. Auch der Altersdurchschnitt macht den Kutenhausern Sorgen. „Tja, der erhöht sich halt jedes Jahr… Ich glaube, wir haben die 50 jetzt schon überschritten“, räumt Meincke ein.
Bei der Kurt-Tucholsky-Bühne steht aktuell dagegen eher der Kampf mit den Brandschutzbestimmungen auf dem Programm: „Das Amt für Bauen und Wohnen legt die Daumenschrauben an, dass es spritzt“, stöhnt Schynol. Da kann – bei allem sichtlichen Stolz auf die ebenso schöne wie ungewöhnliche Spielstätte – das eigene Freilufttheater schon mal als „Mühlstein“ empfunden werden, weil es Mittel und Kräfte bindet. „Dagegen war das Spielen im Puff großartig, der Auftritt im Rampenloch hat das Ensemble geradezu beflügelt“, grinst der Bürgerpreis-Träger in Erinnerung an einen seinen Theater-Coup von 2009.
Reichlich entspannt wirkt in puncto Spielstätte dagegen Andreas Müller von der Freilichtbühne Porta – kein Wunder, das neue Dach über dem Zuschauerraum macht sich im Wortsinn bezahlt und die Portaner zumindest ein klein wenig wetterunabhängiger. Dafür knabbern andere am Kuchen: Die aktuelle Produktion Cabaret hat an die 25 000 Euro verschlungen – zum Beispiel mit dem Einkauf der Auftrittsrechte, für Kostüme und Kulisse und dem Ankauf professioneller Coaches in Sachen Gesang und Choreografie.
Nicht nur ins Theater bringen – auch bewegen
Auch die anderen treten ihren Anteil an die Theaterverlage ab – deutlich weniger zwar, weil sich der Mindestbetrag nach der Größe der Spielstätte richtet, aber doch spürbar, wie Eduard Schynol zu berichten weiß. Dazu kommt, dass längst nicht alle Stücke für die Amateurtheater freigegeben werden: „Die Theaterverlage prüfen auch, ob gerade ein Tournee-Theater mit dem Stück in der Stadt gastiert.“
Mit einer Institution wie dem Stadttheater im Rücken hat es Theaterpädagogin Viola Schneider da in mancher Hinsicht leichter, verfolgt aber eben auch das ehrgeizige Ziel, Jugendliche nicht nur ins Theater zu bringen, sondern wirklich zu bewegen. „Ich bin nicht der Meinung, dass Amateurtheater zwangsläufig immer komische Stücke spielen müssen.“
Und der Erfolg gibt ihr Recht: Von der viel gepriesenen Inszenierung der „Troerinnen“ hätten viele gern weitere Aufführungen gesehen – „das war beim eng gesteckten Spielplan des Stadttheaters aber schwer möglich.“ Natürlich seien die Sehgewohnheiten der Jugendlichen andere und manche Formate schwer zu begreifen, sagt sie. „Aber wenn eine Geschichte sie packt, entsteht Großartiges.“ Und darum ginge es doch, Kindern und Jugendlichen möglichst früh Zugang zu verschaffen zu dem ungeheueren Reichtum, den nur das Theater biete. In diesem Punkt ist sich die Theaterpädagogin einig mit dem Regisseur Jürgen Morche, der von der reinigenden, befreienden Wirkung des Theaters schwärmt. „Natürlich ist die Arbeit mit Amateuren eine ganz andere als mit Profis – aber beides hat seinen Reiz“, sagt er.
Nachwuchsarbeit fängt schon im Kindergarten an
Nachwuchsarbeit der anderen Art betreibt der Hahler Theatermacher Eberhard Brandhorst: Er geht neuerdings in Kindergarten und Grundschule, um den Kindern das Plattdeutsche nahezubringen. Damit wird der Nachwuchs in Hahlen wohl erst einmal nicht ausgehen, anderswo tut sich der Trupp allerdings schwer: „In Hahlen können wir spielen, was wir wollen, da haben wir immer volles Haus – wenn wir anderswo spielen, floppt das.“
Von Nadine Conti






